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Was es mit einem ungewöhnlichen Besuch auf sich hat…

Am 3. Februar 2011 kam es in unserem Schulstandort Altroßthal zu einem recht ungewöhnlichen Besuch.

Ein weit gereister buddhistischer Mönch aus Nepal hatte zugestimmt, sich ein Bild von einer Berufsschule in Deutschland zu machen.

So fand an diesem Donnerstag auch ein Vortrag für interessierte Schüler und Lehrer  statt, der sicherlich allen beteiligten Besuchern in langer Erinnerung bleiben wird.

 

Sherap Sangpo Dolpo Tulku Rinpoche, so sein vollständiger Name, ist in seiner Heimat ein hoher Geistlicher.

1981 im Dolpo, einer Region im Nordwesten von Nepal, geboren, hatte er recht früh schon den Wunsch, Mönch zu werden, wie er uns in Tibetisch erzählt.

Mit 10 Jahren pilgerte er mit seinem Großvater nach Indien, um dem Dalai Lama zu begegnen. Keine einfache Angelegenheit, denn sein „Heimatdorf“ ist nur zu Fuß oder beritten über mehrere 5000m hohe Pässe zu erreichen. Umgeben ist das Gebiet mit 6000 bis 7000m hohen Bergen.

Durch diese Begegnung in seinem Wunsch bestärkt, trat er ins Kanying Kloster in der Nähe der nepalesische Hauptstadt Kathmandu ein. Wenige Monate später wurde er als Reinkarnation eines früheren hohen Geistlichen erkannt und zur Ausbildung ins Namdroling Kloster nach Südindien geschickt. Dort lernte er Lesen und Schreiben und erhielt eine umfassende buddhistische Ausbildung. 2006 schloss er das Studium an der Klosteruniversität als einer der Jahrgangs-besten ab.

2008 kehrte er erstmals in seine Heimat als geistliches  Oberhaupt des Dolpo zurück und bestieg seinen Thron in den drei Hauptklöstern der Region.

Tulku ist ein beeindruckender junger und fröhlicher Mensch, der sich ununterbrochen zum Ziel gesetzt hat, weiter zu lernen und zu lehren. Das führt ihn auch nach Europa. Seit Januar war er in der Schweiz, in Österreich und in Deutschland unterwegs.

Nach Dresden kam er gern, denn hier fand er viele Freunde, die ihn bei seiner großen Aufgabe, Verantwortung für sein Volk zu übernehmen, unterstützen möchten.

Tulku will die Bildungsmöglichkeiten in seiner Region verbessern, die medizinische Versorgung in Gang bringen, die Säuglingssterblichkeit senken, die Infrastruktur verbessern…

Die Bewohner im Dolpo vertrauem ihm, nie würden sie eine seiner Entscheidung in Frage stellen.

Für uns schwer zu verstehen…

So führte diese kurze Begegnung bei manchen vielleicht dazu, wieder einmal über ganz selbstverständliche Dinge bewusster nachzudenken.

So können sich unsere zukünftigen Landwirte wohl kaum eine Landwirtschaft ohne Maschinen vorstellen.

Fremd ist auch der Gedanke für uns, sein Elternhaus mit 10 Jahren zu verlassen und erstmals nach 16 Jahren Ausbildung zurückzukehren.

Tulku möchte den Menschen zeigen, wie man in der Wettbewerbsgesellschaft „einen friedlichen Geist bewahrt“, wie er sagt.

Burn-out-Syndrom, Stress, Neid, Mobbing usw. werden zunehmend zu Kennzeichen unserer Gesellschaft. Oft beginnt das schon in der Schule.

Im Anschluss an den Vortrag machte Tulku noch einen kleinen Rundgang durch das Haus 1 und ließ sich auch das neue Pferdewirt-Kabinett zeigen. Die Pferde im Dolpo sind kleiner als bei uns und haben wohl noch nie in ihrem Leben einen Stall gesehen.

Im nächsten Jahr will Dolpo Tulku wiederkommen und vielleicht möchte er ja auch wieder in Altroßthal sein und sich wieder mit jungen Menschen unterhalten.

Gefallen hat es ihm bei uns. Das sollte ich auf alle Fälle noch einmal betonen.

Tetzner