Vom 07.10.-11.10.2019 fuhren die Auszubildenden des 3. Lehrjahres, im Beruf Pferdewirt, auf die lange geplante Fachexkursion.
Ziel der Reise war in diesem Jahr das Münsterland. Dies ist eine der Regionen in Deutschland, in der die Dichte an pferdehaltenden Betrieben sehr hoch ist. In zentraler Lage zu unseren täglichen Unternehmungen übernachteten wir in Ennigerloh auf dem Ferienhof Bettmann und wurden durch die Familie bestens versorgt.
Jeder der Teilnehmer konnte in dieser Woche mit verschiedenen Fachleuten ins Gespräch kommen, zahlreiche Eindrücke sammeln und viel Wissenswertes für die Zukunft mitnehmen.
( Bild Teilnehmer)

Im Anschluss einige Tagesberichte der Lehrlinge von dieser Reise.

Dienstag:

  • 1
Der Hof Kasselmann, inmitten des Teutoburger Waldes gelegen, ist eine sehr große, moderne Reitsportanlage in Nordrhein-Westfalen.
Auf diesem Hof findet man rund 250 gerittene Pferde, welche sich größtenteils im Dressursport befinden, einen kleinen Teil von Springpferden gibt es allerdings ebenfalls. Im Nachbarort befindet sich eine Aufzuchtstation, mit zusätzlichen rund 250 Pferden. Am Hof Kasselmann findet man 4 Reithallen und 6 Außenplätze, eine kleine Tierarztpraxis und eine hofeigene Schmiede. Longierhallen, Aquatrainer, Laufband sind Bewegungsmöglichkeiten, die der Hof Kasselmann zusätzlich für die Sportpferde bereithält. Einer der wichtigsten Punkte im Jahr ist die Veranstaltung Horses and Dreams, bei der rund 70.000 Zuschauer und 600 internationale Pferde die Anlage auf Trab halten.
Die Pferde werden 3 jährig auf die Anlage gebracht, und beim täglichen Training werden Trainingsfortschritte für jedes einzelne Pferd erfasst in eine jeweilige Akte.
Ausgebildet werden vor Ort ausschließlich Bereiterlehrlinge von insgesamt 3 Pferdewirtschaftsmeistern. Nach abgeschlossener Lehre besteht die Möglichkeit, übernommen zu werden. Auch ein LKW Führerschein wird eventuell vom Unternehmen gezahlt.
Alles in allem ist diese Anlage gigantisch, sehr modern und ansprechend gestaltet.

Annabel D., Katja O., Jennifer W.
PW17

  • 2
Am Dienstag, den 08. Oktober war unsere zweite Station das Bundesleistungszentrum (BLZ) des Deutschen Olympiade Komitees für Reiterei (DOKR) in Warendorf.
Im Auftrag der Deutschen Reiterlichen Vereinigung (FN) werden dort Reiter und ihre Pferde trainiert, Nachwuchsreiter sowie junge Pferde an den Hochleistungssport herangeführt und Reiter-Pferd Paare für internationale Prüfungen und Olympische Spiele ausgewählt und vorbereitet. Über die Anlage wurden wir von Markus Scharmann, Vorsitzender der Bundesvereinigung der Berufsreiter, geführt. Er selbst ist Pferdewirtschaftsmeister für Klassische Reitausbildung und übernimmt die Ausbildung der Pferdewirte. Er hatte eine besondere Art uns seine Tätigkeiten und die des DOKR's näher zu bringen, machte mit uns kurze Lehrunterweisungen zu den Themen: "Der optimale Hallenboden"; " Das Heranführen eines Pferdes an das Laufen im Führkarussell" und "Das Laufband mit Gummiboden"  und schilderte uns den Ablauf eines Lehrgangs oder die Ausbildungsstruktur seiner Auszubildenden, die nebenbei meist intensiven Reitsport betreiben. 
Die moderne Anlage war besonders eindrucksvoll. Neben vierHallen, eine davon beheizbar um Reiter und Pferde auf Hallenprüfungen vorzubereiten, stehen den Sportlern neun Außenplätze zur Verfügung. Einer davon, der Vielseitigkeitsplatz, ist mit mehreren mächtigen Naturhindernissen ausgestattet. Die Anlage bietet außerdem Platz für 110 Pferde, die Boxen werden größtenteils dauerhaft von den Pferden der Hochleistungssportler und zum Teil je nach Länge des Lehrgangs von den Pferden der Teilnehmer besetzt.
Das BLZ des DOKR's, das sich selbst "Medaillenschmiede" nennt ist eine Anlage, die sich auf die professionelle Ausbildung von Pferden und Menschen, die das Reiten oder auch Fahren als Hochleistungssport betreiben. Es war sehr eindrucksvoll für einige Stunden in diese Welt einzutauchen. 
Lucie Frenkel, Marie Schreiter
PW17

Mittwoch

  • 3
Am dritten Tag unserer Studienfahrt - auf der wir uns die verschiedensten Höfe und Anlagen anschauen durften – besuchten wir am Vormittag die Hengststation und das Ausbildungszentrum Hoffrogge.
Dieser Pferdebetrieb ist ein über Generationen gewachsenes Familienunternehmen an der Grenze zwischen Westfalen und dem Rheinland in Dorsten.
Als erstes bekamen wir eine Führung über die Hengststation, welche 1994 aus einem Bauernhof mit Schweine- und Rinderzucht entstanden ist.
Der Schwerpunkt liegt heute auf der Zucht und Ausbildung von jungen Pferden bis hin zur schweren Klasse. Hierbei kooperiert Hoffrogge mit HM – Sporthorses durch Beatrice Buchwald welche sich um die Ausbildung der Dressurpferde kümmert. Die jungen Spring- und Vielseitigkeitspferde werden durch Jens Hoffrogge bis zur schweren Klasse auch international gefördert.
Er ist Pferdewirtschaftsmeister für Reiten und Zucht/ Haltung und nach seinem Vater auch Leiter des Ausbildungsstalls. 2019 wurde dieser durch eine Deckstation erweitert.
Unterstützt wird Jens Hoffrogge dabei von seinem Bruder Markus Hoffrogge welcher ebenfalls Pferdewirtschaftsmeister für Zucht und Haltung sowie Besamungswart ist.
Über die Deckstation können unter anderem Hengste wie Asagao xx, Kros oder Bonds HC bezogen werden.

  • 4
Ein paar hundert Meter weiter liegt das 2010 neu errichtete Trainings- und Ausbildungszentrum von Markus Hoffrogge. 2013 wurde die Anlage durch einen zusätzlichen Trainingsbereich erweitert. Dieser beinhaltet ein Spa (Hydrotherapie), Aquatrainer, Laufband und eine Mikrovibrationsplatte. Somit werden optimale Trainings-, Wiederaufbau- und Rehabedingungen geboten.
Beide Anlagen verfügen über gute Trainingsmöglichkeiten, helle, gut belüftete Boxen und Auslaufmöglichkeiten in Form von weitläufigen Weiden oder Paddocks.
Das großzügige Weideland erlaubt die Eigenproduktion von Heu und Heulage.
Kraftfutter und Stroh werden zugekauft.
Außerdem wird neben einer Aufzuchtstation, dem Verkauf von Pferden und Pensionspferdehaltung auch die Vorbereitung von Hengsten und Stuten für die jeweiligen Prüfungen angeboten.
Marie G., Nico L., Julia H.


Donnerstag:
Schon als der Bus auf den Hof rollte stach uns die gelb- grüne Pferdefigur, mit dem Aufdruck " Hof Schulze Niehues", ins Auge.
"Jeder Buchstabe besteht aus einem oder mehreren Namen unserer ersten Lehrpferde..." erklärte uns Herr Niehues.
Im gemütlichen Gemeinschaftsraum nahmen wir am Kamin platz und bekamen einen Einblick in die Geschichte des Hofes, außerdem wurde die Frage geklärt was auf diesem Hof betrieben wird. Ist es ein Pensionsbetrieb ? Eine Reitschule ? Ein Ausbildungsstall ? Fröhlich erzählte uns Herr Niehues das er quasi eine Mischung aus allem ist. Ein bisschen Pensionsbetrieb, Fachschule "Reiten" und Ferienbetrieb. "Wir erwarten Teils 70 all einreisende Kinder zwischen 8 und 18 Jahren mit bis zu 40 Pferden die sie hier unterstellen können" erklärte er. "Diese werden dann von unserem Trainerteam trainiert, welches aus 5 Pferdewirtschaftsmeister besteht". Die Kinder können dann auf ihren Pferden oder auf den Lehrpferden des Hofes gewisse Abzeichen in Abzeichenprüfungen erlangen. Auch Ferienangebote für die ganze Familie gibt es dort. "Bei ist ein Haus und der komplette Gemeinschaftsbereich barrierefrei, denn auch Reisegruppen mit Behinderungen sind willkommen".

  • 5
Das Gelände des Hofes ist riesengroß was uns schon sehr beeindruckte. Die 2 "Ferienhäuser" für die Reisenden mit Speiseraum und dem Freizeitbereich waren nur der Anfang. In den 10 Ställen sind die 70 Lehrpferde untergebracht. Natürlich waren auch viele Boxen frei um den mitgebrachten Pferden einen Platz zu bieten. "Ist ein Pferd einmal bei uns bleibt es in der Regel auch, wir verkaufen diese sehr ungern wieder. Jedes Pferd hat hier eine Aufgabe, sei es das sichere Springpferd welches jeden Reiter über jeden Sprung trägt oder das Pony welches total geduldig alles über sich ergehen lässt wenn ein geistig behindertes Kind an ihm arbeitet. Auch die ehemaligen Turnierpferde finden ihre Aufgabe als Lehrpferd. Jeder hat seinen Bereich". Alle Pferde denen wir begegneten waren freundlich und aufgeschlossen genauso wie alle Mitarbeiter und Helfer die wir auf dem Hof antrafen.
Ein Dressurplatz und ein Springplatz zierten die ruhige Landschaft von Paddocks und riesigen Weiden. Eine Gruppe Wallache standen auf dem großen Paddock, spielten und genossen das Wetter. Dann besichtigten wir die 3 Reithallen. 2 Reithallen mit den Maßen 20×40 welche liebevoll mit selbst geschmiedeten Brandzeichen verschiedener Rassen geschmückt wurden. Gestaunt haben wir bei der Reithalle welche 40 Meter breit und 86 Meter lang ist. In dieser findet auch immer das große Dressur und Springturnier statt. Zusätzlich hat der Hof einen eigenen Teich um die Pferde optimal zu trainieren und einen Geländeplatz auf denen Naturhindernisse die große Wiese zieren. Es war ein sehr beeindruckendes Gelände und Herr Niehues erklärte wie all dies Stück für Stück aufgebaut wurde ,wie jedes Pferd seine Geschichte hatte und letztendlich den Weg auf ihren Hof fand. Viele fröhliche Kinder mit Reithelm und Stiefeln in der Hand rannten an uns vorbei und unterhielten sich über die nächste Reitstunde, was einen selber ein Lächeln ins Gesicht zauberte. Nach dieser langen und ausführlichen Führung bedankten wir uns alle recht herzlich beim Herr Niehues für seine Offenheit, Freundlichkeit und Ehrlichkeit.
Als wir alle wieder im Bus saßen unterhielten wir uns noch lange über die neu erlangten Eindrücke. Wir sind froh diesen Hof kennengelernt zu haben und so viel über ihn erfahren zu können das es uns noch sehr lange im Gedächtnis bleiben wird.

Vivien W., Cassandra U., Nadine K.
PW17


  • 6
Wer an einen Aktiv- oder Offenstall denkt, dem erscheinen meist als erstes Bilder von vollkommen verkrusteten, halbwilden Freizeitponys in einem schlammigen Maukeparadies vor Augen.
Ähnlich erging es auch dem Ehepaar Spahn-Rempen, als sie vor gut 15 Jahren eine eigene Reitsportanlage planten. Bis zu einem Messebesuch, auf dem die Aktivstallhaltung der Mulis bei der Bundeswehr überzeugen konnte, war eigentlich eine klassische Paddock-Boxenhaltung vorgesehen.
Heute wurde unsere Klasse auf einem sehr gepflegtem Biobetrieb, in dem weder ein Reiter- noch ein Pferdewunsch offen geblieben zu sein schien, empfangen. Vor den Toren Münsters erstreckt sich der Aktivstall Hofgut Ashege über 40 Hektar, auf welchen Grünland und Hafer angebaut werden. Durch die Wechselbeweidung von Pferden, Rindern und Schafen, sowie ausreichende Ruhezeiten und eine begrenzte Anzahl an Tieren, ist es dem Betrieb gelungen trotz der extrem trockenen Sommer gesunde Weiden zu erhalten. Durch regelmäßige Kot- und Bodenproben kann der Betrieb sehr gezielt Wurmkuren und Düngung einsetzen, was den Tieren und der Umwelt zu Gute kommt.
Die 14 dort beheimateten Pferde kommen je nach Bodenverhältnissen stundenweise auf die Weiden und verbringen die restliche Zeit in gut durchdachten Aktivställen, erklärte uns die Eigentümerin Christiane Spahn-Rempen. Trotz des starken Regens der letzten Tage, standen die Ausläufe nicht unter Wasser. Dafür sorgt ein aufwändiger Dreischichtaufbau der Tretfläche. Die eingestreuten Ruheräume, die beheizbaren Tränken und die 24 Stunden zugänglichen Heuraufen, sowie die Kraftfutterstationen und das Totholz sind möglichst weit voneinander entfernt, so dass für die Pferde Bewegungsanreize geschaffen wurden. Sowohl die Stuten- als auch die Wallachherde begrüßten unsere Klasse freundlich neugierig und machten einen etwas runden, aber dafür ausgeglichenen Eindruck. Frau Spahn-Rempen erklärte uns, dass jedes Pferd ungefähr 2 Stunden am Tag in einer Einzelbox verbringt und hier besonders Wert auf eine gründliche Gesundheits- und Verhaltensbeobachtung gelegt wird, um Probleme frühzeitig zu erkennen.
  • 7
Mit der Haltung von rotem Höhenvieh und Vorwerkhühnern trägt der Aktivstall Ashege außerdem zur Erhaltung aussterbender Nutztierrassen bei, deren Produkte sie auch vermarkten.
Das Klischee, dass sich das Modell Aktivstall nur mit Freizeitpferden realisieren lässt, konnte uns Frau Spahn-Rempen anhand ihrer und den Eingestellten Pferden widerlegen. Neben Freizeitpferden und Rentnern leben sowohl erfolgreiche Turnierpferde als auch qualitätsvolle Nachzucht in Ashege. Auch die Trainingsmöglichkeiten mit 2 Longierzirkeln, einem Dressur-, einem Springplatz, einer Galoppbahn und einer traumhaft hellen, großen Reithalle mit angeschlossenem gemütlichem Reiterstübchen lassen kaum einen Wunsch des Sportreiters offen.
Dennoch ist der Stall noch längst nicht ausgelastet, da den Besitzern ein guter Zusammenhalt und ein respektvoller Umgang mit Tier und Mensch enorm wichtig sind und sie darauf Wert legen, dass die Einsteller diese Werte teilen. Die monatliche Pension von 550€ liegt zwar im oberen Preissegment, allerdings wird auf dem Hofgut Ashege besonders viel Wert auf das Wohlbefinden aller gelegt und mit 2,5 Arbeitskräften auf 14 Pferde ist eine intensive Betreuung möglich.
Wir bedanken uns ganz herzlich bei Christiane Spahn-Rempen und ihrem Mann für ihre Offenheit und den schönen Nachmittag!


Carolin F., Max A. (Bild 6,7)
PW17

 

Wir, Pauline und Clara aus der AG18, waren mit den PW17 vom 07.10. bis 11.10. auf Studienfahrt im Münsterland.

In dieser Woche bekamen wir die Möglichkeit die verschiedensten Stallanlagen zu besichtigen und mehr über deren Konzepte und Philosophien zu lernen.
So bekamen wir einen Einblick in die Fürstliche Hofreitschule in Bückeburg, wo von der Pferdeausbildung bis zu dem Stallgebäude alles noch wie zu Kaiserzeiten ist, oder erhielten eine Führung bei Kasselmann, welche internationale Spitzensportpferde züchten und ausbilden.

Weiterhin wurde uns die Anlage des Deutschen Olympiade-Komitee für Reiterei (DOKR) gezeigt, wo wir anschließend einen Vortrag der Bundesvereinigung für Berufsreiter (BBR) bekamen. 

Auch interessant waren der Vielseitigkeitsstall Hoffrogge, der Westernstall Döring, in welchem uns die verschiedenen Aspekte des Westernreitens nähergebracht wurden und der Hof Schulze Niehues. Ein Schulstall mit knapp 50 Pferden, der auf eine lange Familientradition zurückblicken kann.

Unser letzter Stopp war der Aktivstall Ashege, mit neugierigen Pferden auf großzügigen Sandpaddocks und alten Schaf- und Rinderrassen auf riesigen Weiden.

Während der Woche waren wir in einer Pension, die mit dem Slogan „Ferien auf dem Bauernhof warb“. Wir als angehende Agrartechniker ließen uns diese Gelegenheit natürlich nicht entgehen und machten uns mit den Rindern bekannt, erkundigten uns über die Aussaaten der angrenzenden Felder und linsten durch die Fenster der Schweineställe.

Alles in Allem konnten wir, dank der Schulleitung und besonders Frau Brumme, in dieser Woche einzigartige Erfahrungen sammeln, die uns auf privater und schulischer Ebene weitergebracht haben.

Pauline und Clara
AG18