Am Dienstag, dem 27.10.2015 besuchte die LW13a das Südzuckerwerk in Brottewitz. Dort sollte uns vor Augen geführt werden, wie aus unseren mühsam produzierten Zuckerrüben unter anderem feinster Zucker wird.

Nach einer langen Anreise durchströmte der Duft der verkochten Rüben unsere Nasen und die Anfahrt war vergessen. Nach dem Vorzeigen des Personalausweises erhielten wir unsere Besucherkarten, mit denen man sich vor Betreten des Werksgeländes registrieren lassen musste. Dort nahm uns dann ein ehemaliger Mitarbeiter in Empfang und führte uns vorerst in einen Videosaal. Er zeigte uns ein sehr interessantes Video, in dem es um die Geschichte der 1873 gebauten Fabrik ging. So wurde uns schnell klar, was es früher für ein hoher Aufwand gewesen sein musste, die wenigen Tonnen Rüben mit Pferdefuhrwerken und Elbkähnen anzuliefern und auch zu verarbeiten. Wenn man aber im Gegenzug dazu die 500.000 – 700.000 Tonnen Rüben sieht, die jetzt jährlich von einem Zehntel der Personen verarbeitet werden, ist der industrielle Fortschritt wahnsinnig hoch. 85 Mitarbeiter machen so eine Tagesverarbeitung von rund 6000 Tonnen Rüben möglich. Das ergibt dann pro Jahr über 100.000 Tonnen Zucker, welcher innerhalb von 120 Tagen produziert wird. An dieser sogenannten Rübenkampagne sind jedoch auch über 430 Landwirte beteiligt, welche ihre Rüben teilweise selbst liefern oder von Speditionen anliefern lassen. Der so gewonnene Eindruck eines hohen Aufwandes wird verstärkt, wenn man bedenkt, dass ca.1 m² Boden oder 8 Rüben notwendig sind, um 1 kg Zucker zu produzieren.

Anschließend an das Video begann endlich die Werksbesichtigung. Dazu wurden wir mit einer Art Funkgerät ausgestattet, um bei dem Produktionslärm den Mitarbeiter noch zu verstehen. Unsere Führung begann beim Probenstecher, der eine Zufallsprobe aus den „Rüben-LKWs“ zieht. Die Probe wird gewaschen, nachgeköpft, gewogen und anschließend zu Rübenbrei verarbeitet, um im Labor den Zuckergehalt zu ermitteln. Danach richtet sich dann auch die Bezahlung der Bauern. Es ging weiter über den sogenannten Rübenhof, wo die LKWs ihre Ladung abkippen, oder aber gepresste Rübenschnitzel laden. Die Zuckerrüben werden über Fließbänder entweder direkt in die Verarbeitung oder ins Lager gebracht, welches für die Rübenversorgung des Werkes am Wochenende sorgt.

Die ersten Verarbeitungsschritte passieren schon draußen: Die Rüben werden mehrfach gewaschen und entsteint. Das dabei verbrauchte Wasser zirkuliert in einem eigenen Wasserkreislauf, sodass möglichst wenig Wasser verschwendet wird. Die sauberen Rüben werden anschließend mit Messerblöcken zu Rübenschnitzeln zerkleinert und in den Extraktionsturm befördert, wo heißes Wasser den Zucker aus den Rübenzellen löst. Damit wird der Rohsaft gewonnen. Die ausgelaugten Schnitzel werden gepresst, mit Heißluft getrocknet und auf dem Rübenhof verladen, wo sie wieder der Landwirtschaft in Form eines Futtermittels zurückgegeben werden. Aus dem Rohsaft werden nun mithilfe von natürlichen Stoffen, wie Kalkmilch und Kohlensäure, die nach und nach dem Rohsaft zugeführt werden, die Nichtzuckerstoffe gebunden und ausgefällt. Der daraus entstehende Dünnsaft mit ca. 16 % Zuckergehalt wird anschließend in Kesseln mehrfach erhitzt und eingedickt, sodass der Dicksaft mit 67 % Zuckergehalt entsteht. Dieser Dicksaft wird gekocht, bis sich Kristalle bilden, die dann in großen Zentrifugen vom Sirup getrennt werden. Die übrigbleibende Melasse wird, wie auch andere bei der Rübenverarbeitung anfallenden Stoffe, der Landwirtschaft in Form von Futtermitteln oder Düngemitteln zurückgeführt. So entsteht zum Beispiel der Carbokalk, welcher ein beliebtes Düngemittel ist, zum Beispiel auch im Ökologischen Landwirtschaftsbetrieb. Denn mit seinem hohen Gehalt an Calcium und anderen wichtigen Pflanzennährstoffen kann dieser bereits in kleinen Mengen großes bewirken. Carbokalk, ein Abfallprodukt, kann somit auch günstig erworben werden. Da der Dicksaft teilweise für eine spätere Weiterproduktion gelagert werden kann und die Wartung der Anlage vor jeder Rübenkampagne erneut durchgeführt werden müsste, was sie zeitaufwändig und teuer macht, ist es möglich, dass die Weißzuckerproduktion das ganze Jahr über erfolgt.

Zum Abschluss stellten wir dann noch aufgetretene Fragen, die unkompliziert beantwortet wurden. So kostet zum Beispiel 1 Tonne Zucker im Verkauf bis zu 500 €, das ist aber abhängig von den Erträgen der Bauern. Letztes Jahr beispielsweise war der Zucker relativ billig, da es viele Rüben gab. Nachdem wir die Führung beendet hatten, gab es dann noch eine Tüte mit verschiedenen Zuckerproben als „Entschädigung“ für den weiten Fußmarsch quer durch die Fabrik. Nach fast drei Stunden Fabrikaufenthalt traten alle zufrieden die Heimreise an.

 

Leon & Kevin LW13a

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