Lehrfahrt der Pferdewirte vom 16. - 20.03.2015

Am Montag, dem 16.03.2015 trafen sich die Auszubildenden des zweiten Lehrjahres im Beruf Pferdewirt in Sachsen im Beruflichen Schulzentrum für Agrarwirtschaft und Ernährung in Altroßthal. Verstärkt wurde die Gruppe von einigen Azubis aus dem ersten bzw. dritten Lehrjahren, zwei interessierten Mitgliedern des Prüfungsausschusses in Sachsen und den Fachlehrern im Beruf Pferdewirt, welche gemeinsam mit der Sächsischen Landjugend die Fahrt organisierten.

Alle nahmen aufgeregt und voller Vorfreude im Bus Platz und es ging pünktlich 8:25 Uhr Richtung Essen los.

Gegen 14:30 Uhr traf der Bus am Reitsportzentrum Massener Heide ein. Die Gruppe wurde von Stefan Hägerbäumer empfangen, dem Leiter der Hengststation sowie Bereiter und Reitlehrer. Er stellte zuerst die Geschichte des Reitsportzentrums vor, welches eines der größten in der Region ist. Beeindruckend war für die Auszubildenden die hohe Konzentration an Pferden, kombiniert mit modernster Ausrüstung, da die meisten aus relativ kleinen Reitbetrieben kommen.

Die Reitanlage umfasst eine Gesamtfläche von 15 Hektar. Über die Hälfte dieser Fläche stehen als Weidefläche zur Verfügung. Die Anlage liegt im grünen, östlichen Ruhrgebiet, in verkehrgünstiger Lage am Autobahnkreuz Dortmund/Unna und befindet sich weiterhin im Ausbau.

Bestandteile der Anlage sind drei Longierhallen, drei Reithallen, eine Eventhalle (40,5 x 65m, variabel als Reithalle und für versch. Arten von Events nutzbar), zwei Dressurplätze (20 x 60m, 25 x 65m), ein Springplatz (40 x 80m), 15 Stallgassen (22 geplant) mit 175 Boxen (236 geplant), größtenteils Paddockboxen und Hengststation inkl. EU-Besamungsstation. Ein 4km langer Reitweg mit einer Breite von 10m verläuft um die Anlage.

Kundenberatung und Kundenorientierung wird hier großgeschrieben, weil man nur so im Pferdebereich seine Position am Markt halten kann.

Herr Hägerbäumer erläuterte das wirtschaftliche Konzept des Betriebes, das aus verschiedenen Geschäftszweigen, z. B: Pensionspferdehaltung, Hengststation, Reitunterricht, Reitsportgeschäft und Restaurants besteht. Dies ist sehr ansprechend und jeder konnte hier wichtige Tipps für seine spätere berufliche Tätigkeit mitnehmen.

Um 16Uhr startete der Bus zum letzten Stück der Fahrt. Nach ca. einer Stunde kamen wir an der Jugendherberge „ Am Turm“ an.

19 Uhr ging es zur Messe zu „ Uta Gräf at night“. Uta Gräf ist eine der bekanntesten Dressurreiterinnen Deutschlands, welche großen Wert auf artgerechte Haltung und Ausbildung ihrer Pferde legt. Gemeinsam mit ihrem Mann betreibt sie einen großen Pferde haltenden Betrieb mit Landwirtschaft in Rheinland-Pfalz. Ihr Konzept stellte sie in einer zweistündigen Abendveranstaltung mithilfe ihrer Pferde und Videosequenzen aus dem Betrieb vor.

Am Dienstag starteten wir nach einem sehr guten Frühstück, versorgt mit Lunchpaketen erwartungsvoll zu unserem ersten Messetag auf der Equitana. Um den Überblick nicht zu verlieren stand der erste Tag unter dem Motto Pferdefütterung und Futtererzeugung. Gemeinsam besuchten wir einen sehr interessanten Vortrag zur Pferdefütterung und zu Fütterungserkrankungen. Anschließend konnten Fragen gestellt werden, welche kompetent durch Herrn Dr. Ende (Tierarzt) und Herrn Lengwenat (Fütterungsexperte) beantwortet wurden.

Da die Pferdebesitzer und Nutzer immer größeres Interesse an artgerechter Haltung und Versorgung haben, konnte man sich auf der Messe gut über Neuentwicklungen in diesem Bereich informieren. Interessant waren hier die technischen Lösungen zur kontinuierlichen Raufuttervorlage oder zur Gestaltung von Paddocktrails. Automatische Fütterung des Kraftfutters ist ein weiterer Bereich, über den wir uns informierten. Außerdem stand die Gewinnung von gutem Grünfutter im Focus.

Ein Höhepunkt war für viele Auszubildende auch die Vorstellung vieler Spezialrassen (Tinker, Araber, Lusitanos, Quarter Horse…), welche sie im eigenen Betrieb noch nie gesehen haben. Die Nachfrage nach diesen Tieren gerade im Freizeitsport ist aber groß. Und so findet vielleicht der eine oder andere hier eine Nische für seine spätere berufliche Tätigkeit.

Erschöpft nach einem langen Messetag, aber voller Eindrücke kehrten wir in unsere Unterkunft zurück. Dort hatten wir dann noch die Möglichkeit mit Ausstellern zu sprechen, welche im gleichen Haus wohnten. So konnten über das Erlebte und Unterschiede zu den heimischen Betrieben diskutieren.

Der Mittwoch begann mit einem gemeinsamen sehr interessanten Vortrag zum Thema Huf und Hufpflege. „Ein Pferd ist ja bekanntlich immer so gut, wie sein schlechtester Huf“. Wir erfuhren hier eine Menge über die richtige Pflege und Interessierte konnten sich über Weiterbildungsmöglichkeiten zum Hufpfleger und zum Hufschmied informieren.

Anschließend besichtigten wir verschiedener Haltungssysteme, von der Pferdebox bis zum Aktivstall. Bezug nehmend auf Lehrplaninhalte konnten hier vor Ort verschiedene Systeme des Reitplatzbaus und technische Geräte zur Reitplatzpflege und Bodenbearbeitung erkundet werden.

Für zukünftige Betriebsinhaber oder Betriebsleiter waren natürlich die Fachvorträge zu haftungsrechtlichen Fragen der Pferdehaltung und zur steuerlichen Abgrenzung Pferde haltender Betriebe hochinteressant.

Ab 20Uhr besuchten wir die Abendveranstaltung zu verschiedenen Spezialrassen, Ausbildungsmethoden und Reitweisen mit einer Vielzahl international erfolgreicher Ausbilder. 23 Uhr war dann ein langer Tag zu Ende.

Am Donnerstag war schon unser letzter Messetag und einige hatten noch viel vor.

Wir setzten drei Schwerpunkte: Pferdegesundheit und -therapie, Pferdezucht und Pferdetransporter und Ausrüstung zum Reiten und Fahren. Zu diesen Schwerpunkten wurden Arbeitsaufträge verteilt, welche die Auszubildenden gezielt zu den verschiedenen Veranstaltungen führten. Ihre Ergebnisse müssen sie in einer der folgenden Unterrichtsstunden vorstellen. Außerdem blieb noch für jeden Zeit, nach eigenem Interesse zu stöbern oder Fachgespräche zu führen. Und so verging die Zeit bis zur letzten Abendveranstaltung sehr schnell. Diese präsentierte die Arbeit der Westernreiter beim Viehtrieb (Cutting).

Spezialreitweisen sind ein Schwerpunkt der Berufsausbildung zum Pferdewirt nach der neuen Ausbildungsverordnung. Hier erklärten und demonstrierten Experten die Details, außerdem wurden geeignete Pferderassen und Betriebskonzepte vorgestellt.

Wir erlebten eine sehr abwechslungsreiche, lehrreiche, aber auch anstrengende Woche, in der wir am Freitag unsere Heimreise antraten und (größtenteils schlafend) gut in Dresden wieder ankamen.

Unser Dank gilt allen, welche zu dem erfolgreichen Gelingen der Fahrt beigetragen haben.

 

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