Studienfahrt der TW13 nach Schwerin vom 27. bis 30.04.2015

Bild60Pünktlich 8 Uhr fuhr der Bus mit einem Großteil der TW13 sowie 6 Lehrlingen aus der TW12R vom Schulhof des BSZ. Gegen 9 Uhr erreichten wir die Autobahnraststätte Freienhufen, wo wir die restlichen 5 Lehrlinge abholten.

Um 11Uhr kamen wir in der Bullenstation in Schmergow bei Wolken verhangenem Himmel an und wurden sehr freundlich von Herrn Dr. Osmers begrüßt. Er ist seit 3 Jahren als Tierarzt und Stationsleiter beim RBB tätig. Aus seuchenhygienischen Gründen konnte er uns die Anlage nur von außen zeigen, weshalb wir immer wieder nach oben schauten, ob es nicht doch noch mit Regnen anfängt. Damit fremde Personen nicht ins Innere gelangen müssen, wurde der Sprungraum so gebaut, dass sich an der Vorderseite mehrere große Fenster befinden. Zuerst zeigte man uns das Absamen von verschiedenen Bullen. Dabei wurde sehr deutlich, wer sein „Geschäft“ bereits beherrschte und wer noch etwas Zeit zum Lernen benötigt.

Danach reichte ein Mitarbeiter das Ejakulat durch ein Fenster in das Labor. Entsprechend der Absammenge kann man aus einem Ejakulat zwischen 500-700 Pailletten zur Kryokonservierung produzieren. Aber auch Frischsamen wird mit vermarktet. Die Station selbst ist 50 Jahre alt und besitzt momentan 85 Bullen der Rassen Dt. Holstein schwarzbunt und rotbunt sowie das Dt. Schwarzbunte Niederungsrind. Bei der Haltung achtet man sehr auf Bewegungsfreiheit der Bullen, um späteren Fundamentproblemen vorzubeugen. Gefüttert werden sie mit einer TMR aus Heu, Stroh, Konzentratfutter sowie Mineralstoffen. Von hier aus verkauft der RBB neben Sperma auch Agrar- und Hygieneprodukte. Danach ging es weiter zur Geschäftsstelle des RBB nach Groß Kreutz. Dort wartete man bereits auf uns mit einem kleinen Imbiss. Frisch gestärkt erfuhren wir viel Interessantes zu Zucht, Besamung und Vermarktung von Frau Maier. Anschließend besichtigten wir das 2004 gegründete Rinderzuchtmuseum, das sich im Keller des Hauses befindet. Hier konnten wir Bilder von topp Rindern, Aushänge über wichtige Persönlichkeiten, Landkarten, alte Dokumente, Bücher, Lehrverträge, alte Besamungsgegenstände sowie Beschreibungen hier ansässiger Rinderrassen bestaunen.

Gegen 17:30 Uhr kamen wir in der JHB in Schwerin an und bezogen sofort unsere Zimmer. Wahrscheinlich sind hier häufig Grundschüler zu Gast, sodass Zimmergröße und Betten danach bemessen wurden. 18 Uhr gab es Abendbrot, was gut schmeckte und uns freundliches Personal austeilte. Danach gingen wir zum Kegeln, wo uns 4 Bahnen zur Verfügung standen. Hier konnte sich jeder noch einmal so richtig auspowern nach dem langen Sitzen im Bus. Der Abend war sehr lustig und wir haben ihn alle in einer gemütlichen Runde ausklingen lassen.

Am Dienstag besichtigten wir bei herrlichem Sonnenschein zuerst die Lewitz Naturprodukte e.G. in Goldenstätt. Der Betrieb mit ca. 1 600 Tieren hat sich auf die Milchproduktion mit Dt. Holstein schwarzbunt und die Mutterkuhhaltung mit Limousinrindern spezialisiert. Außerdem findet man noch Einkreuzungen mit Fleckvieh zur Verbesserung der Milchinhaltsstoffe sowie mit Blau-Weißen-Belgiern für eine erhöhte Schlachtausbeute. In nächster Zeit soll der Milchviehbestand etwas erweitert werden. 21 Mitarbeiter sorgen für die Tiere und bewirtschaften ca. 1100ha Acker- und 600ha Grünland. Die 2010 erbaute Biogasanlage erbringt eine Leistung von 600 KW. Dazu kommen noch die Photovoltaikanlage mit 160KW und eine Gärrestetrocknungsanlage. Im Side by Side Melkstand von Boumatic können 2x16 Kühe gleichzeitig gemolken werden. Dies geschieht dreimal täglich. Die LKV-Leistung liegt bei 10 200 MKG mit 3,81% Fett und 3,37 % Eiweiß. Für die Besamung kommen etwa 20% Töchter geprüfte, 50 % genomisch geprüfte Bullen sowie 30 % gesextes Sperma zum Einsatz. Für den Betriebsrundgang teilten wir uns in zwei Gruppen auf. Dabei konnten wir viel neu Gebautes sowie umgebaute Gebäude bestaunen. Interessant dabei ist die Betriebsphilosophie, bei Planungsarbeiten nicht nur an Morgen, sondern auch schon an Übermorgen zu denken. Denn durch einfaches Umrüsten oder Anbauen können Stallanlagen ohne großen Aufwand erweitert werden. Auf der Weiterfahrt sahen wir noch eine Limousinherde des Betriebes. Anschließend sorgten wir erst einmal für unser Wohlbefinden, bevor es 14 Uhr in der Schmidt und Partner KG in Kambs weiterging. Dieser Betrieb existiert seit 1993. Hier werden 600 ha bewirtschaftet. Die ca. 320 Kühe stehen in einem modernen Liegeboxenlaufstall mit Tiefstreuboxen. Sieben Melkroboter der Firma Lely übernehmen seit 2 Jahren die Melkarbeit. Allerdings bedarf es wachsamer Augen von geschultem Personal, damit die Roboter auch immer reibungslos funktionieren. Anders als in vielen Betrieben bleiben die Kälber in den geräumigen Abkalbeboxen bis zu 6 Stunden bei ihrer Mutter zur Aufnahme des Erstkolostrums. Danach kommen sie für eine Woche in Einzel- und anschließend in Gruppeniglus, damit sie sich aneinander gewöhnen. Der Betrieb erwirtschaftete in den letzten beiden Jahren 1,3 Mio. Liter Milch. Bis 2008 kreuzte der Betriebsleiter seine Dt. Holstein-Schwarzbunt-Rinder noch mit Fleckvieh und Uckermärker. Das erkennt man an einzelnen Kühen, wenn man durch den Stall geht. Auf dem Gelände befindet sich auch noch eine 625 KW Biogasanlage, in der v.a. Restfutter und Mist veredelt werden. Herr Schmidt erklärte uns sehr viel beim Rundgang. Man merkte aber sehr deutlich, dass sein Schwerpunkt der Milchviehstall ist. Die Haltung der Kälber, Jungrinder und Trockensteher sowie die Hofgestaltung zeigten deutlichen Optimierungsbedarf. Danach ging es zurück zur Jugendherberge, wo nach dem Abendbrot jeder seinen eigenen Vorstellungen nachgehen konnte.

Am Mittwoch begaben wir uns auf die 11/2stündige Fahrt nach Rostock-Dummerstorf, wo wir von Betriebsleiter Herrn Parr im Gut Dummerstorf herumgeführt wurden. Der 1999 gegründete Betrieb ist mit einem Lehr- und Versuchsgut vergleichbar. Die Ställe sind modern und nach Tierwohlkriterien gebaut und eingerichtet. Im Gut leben 800 Rinder, davon 470 Milchkühe. Bei der Bullenauswahl zur Anpaarung achtet der Betrieb besonders auf die Schwerpunkte, Eiweiß, Rahmigkeit, Fundament, Euterform und Zitzenlänge. Gemolken wird dreimal am Tag in einem DeLaval-Fischgrätenmelkstand mit 2x12 Plätzen. Das Gut hat uns sehr gut gefallen und die Erläuterungen waren sehr informativ. Nach einem deftigen Mittagessen besuchten wir das Leibnitz-Institut für Nutztierbiologie. 300 Mitarbeiter, davon 60 Wissenschaftler und 50-70 Doktoranten forschen hier in 6 Fachrichtungen, um den Spagat zwischen Technologie und Praxis optimal zu gestalten. Im Fachbereich Fortpflanzungsbiologie sahen wir uns die OP-Räume an und erhielten einen Einblick über moderne Fortpflanzungstechniken. Der Fachbereich Ernährungsphysiologie nutzt u.a. Spezialkammern, um den Gasaustausch eines Tieres zu messen. Weiterhin steht dem Institut eine schalldichte Arena zur Verfügung, die mit modernster Videoüberwachung ausgestattet ist, um mehr über das Verhalten der Rinder herauszufinden. Zum Schluss besichtigten wir noch den Versuchsstall des FBN, indem u.a. Fütterungsversuche mithilfe von mit Waagen versehenen Einzelfuttertrögen durchgeführt werden können. Außerdem stehen hier Kühe mit Pansen- oder Dünndarmfisteln für spezielle Verdauungsversuche. Danach fuhren wir zurück zur JHB und ließen den letzten gemeinsamen Abend noch einmal ruhig ausklingen.

Der Donnerstag begann etwas hektischer, da wir bereits 8Uhr die Rückreise antreten wollten, davor aber noch Packen, Frühstück und Zimmerabnahme erfolgen musste. Pünktlich konnten wir in Richtung Hohen Neuendorf starten, um uns das Länderinstitut für Bienenkunde anzusehen. Die Forschungseinrichtung hat den Auftrag, praxisorientierte Forschung zu verschiedenen Aspekten der Bienenbiologie durchzuführen. Schwerpunkte dabei sind Zucht und Verhalten, molekulare Mikrobiologie, Bienenkrankheiten, Honiganalyse und Künstliche Besamung. Herr Dr. Radke zeigte uns das Institutsgelände und erklärte dabei, wie Bienen leben, sich ernähren und fortpflanzen. Das Institut besitzt ca. 350 Völker, in denen jeweils zwischen 20 000 – 40 000 Bienen gemeinsam mit ihrer Königin leben und im Durchschnitt pro Jahr 50 kg Honig produzieren. Während des Rundganges konnten wir verschiedene Möglichkeiten der Bienenhaltung kennenlernen und erfuhren Interessantes aus den Anfängen der Honigernte. Sehr informativ war für uns auch, wie durchdacht die Bienen ihre Waben für eine größtmögliche Raumausnutzung anlegen. Außerdem erklärte Herr Dr. Radtke sehr anschaulich, wie Honig entsteht und was wir eigentlich essen. Zwischendurch konnten wir durch die Folie in ein geöffnetes Magazin sehen. Am Flugloch beobachteten wir viele Bienen mit gefüllten Pollenhöschen, die wieder ins Volk zurückflogen. Dabei wurde uns bewusst, wie wichtig Bienen als Bestäuber sind und damit einen unverzichtbaren Ertragsfaktor im Obst- und Ackerbau darstellen. Am Lehrbienenstand konnte man die „Innenarchitektur“ einer Behausung bestaunen. Wir sahen Futterwaben, die deutlich gekennzeichnete Königin und das Brutnest, was nur erst teilweise verdeckelt war. Beim genauen Hinsehen konnten wir auch einmal die Königin bei der Eiablage beobachten. Dabei erfuhren wir u.a., aus welchen Eizellen weibliche Bienen und aus welchen Drohnen entstehen. Im Institut hält man die Carnica-Biene, eine durch Züchtung inzwischen sehr friedlich gewordene Rasse. An einem etwas älteren Modell zeigte man uns, wie die Künstliche Besamung einer Königin durchgeführt wird, was Reinzucht ermöglicht. Zum Schluss besichtigten wir noch den Honigraum sowie das Honiglager mit einer Lagerkapazität für bis zu 20 t. Zum Schluss staunten wir nicht schlecht, als wir erfuhren, dass in Deutschland verzehrter Honig nur zu 20% aus eigener Produktion stammt. Deshalb sollten wir bei Honigkauf besonders darauf achten, dass sich auf dem Glas das Etikett vom Deutschenimkerbund mit dem grünen Kreuz befindet. Nach einem letzten gemeinsamen Mittagessen starten wir 14 Uhr in Richtung Heimat und kamen dort gegen 17 Uhr geschafft, aber um viele Eindrücke und Erfahrungen reicher, auf dem Schulhof an.

 Die Lehrlinge der TW13 und der TW12R